Wie wählt man zwischen Flüssigsilikon und Festsilikon? Leitfaden zum Formen von LSR und HCR

Bei Flüssigsilikon (LSR) und Festsilikon (HCR) lässt sich nicht einfach sagen, welches Material besser oder schlechter ist. Je nach Projekt sollten unter Berücksichtigung von Struktur, Produktionsmenge, Präzision, Optik und Zertifizierungsanforderungen stabile und wirtschaftliche Formverfahren ausgewählt werden.

1. Zunächst einen Blick auf die Materialien und die Formgebungsverfahren werfen

LSR wird in der Regel im Zweikomponenten-Dosier-Spritzgussverfahren verarbeitet und weist eine gute Fließfähigkeit auf; HCR wird meist im Formpress- oder Spritzgussverfahren verarbeitet und bietet größere Flexibilität hinsichtlich Rezeptur und Verfahren.

  • LSR eignet sich für dünnwandige Teile, komplexe Strukturen und die automatisierte Serienfertigung
  • HCR eignet sich für Mehrfarbendruck, besondere Härteanforderungen und flexible Anforderungen an die Weiterverarbeitung.
  • Ein und dasselbe Produkt sollte unter Berücksichtigung der tatsächlichen Gummimischungstypen bewertet werden; eine Beurteilung allein anhand der Materialbezeichnung ist nicht angebracht.

2. Festlegung des Verfahrens anhand von Durchsatz und Genauigkeit

Bei Projekten mit hohen Stückzahlen muss besonders auf Taktzeit, Personalaufwand und Konsistenz geachtet werden, während bei Projekten mit kleinen Stückzahlen die Kosten für den Einsatz von Werkzeugen und die Einrichtungskosten im Blick behalten werden müssen.

  • Bei stabilem und hohem Jahresbedarf sollte vorrangig die Automatisierung mit LSR geprüft werden.
  • Bei einer großen Produktvielfalt, kleinen Losgrößen oder häufigen Änderungen erweisen sich die HCR-Pressformen als besonders anpassungsfähig.
  • Für kritische Maße müssen die Messbezugsbasis, die Schrumpfung und die Toleranzanforderungen klar festgelegt werden.

3. Einbeziehung der nachfolgenden Arbeitsschritte in die Bewertung

Oberflächenbeschichtung, Bedruckung, Lasergravur, Verklebung und Nachvulkanisierung beeinflussen alle das Endergebnis.

  • Bitte klären Sie im Voraus, ob eine Ummantelung, Einlegeteile oder eine Reinraumverpackung erforderlich sind.
  • Bei den Außenbauteilen sollten zunächst Farbunterschiede, Grate und die Haptik anhand von Mustern überprüft werden.
  • Das Leckageverhalten der Dichtungen sollte unter realen Einbaubedingungen geprüft werden.

4. Empfehlungen für die Proofphase

Wenn man zunächst die Validierung der Prototypen mit Schwerpunkt auf Funktion und Montage durchführt und anschließend das Prozessfenster festlegt, lassen sich Nacharbeiten in der Serienproduktion reduzieren.

  • Bereitstellung von 2D-/3D-Zeichnungen sowie Angaben zu den wichtigsten Maßen
  • Überprüfung der Materialanforderungen hinsichtlich Härte, Farbe, Flammschutz oder Lebensmitteltauglichkeit
  • Aufbewahrung von Mustern, Erstmusterberichten und Änderungsprotokollen

FAQ

1. Ist LSR unbedingt teurer als HCR?

Nicht unbedingt. Die Investitionen in LSR-Formen und Automatisierung mögen zwar höher sein, doch lassen sich bei der Massenproduktion die Arbeits- und Schwankungskosten senken.

2. Ist eine Bewertung auch ohne Zeichnungen möglich?

Zunächst kann anhand von Mustern, Abmessungen und Einsatzbedingungen eine vorläufige Bewertung vorgenommen werden; vor Beginn der Serienfertigung wird jedoch empfohlen, die wesentlichen Abmessungen und Abnahmekriterien zu ergänzen.

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